Nervensystem & Resilienz
- Martina Tanzmunter
- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Warum Sicherheit wichtiger ist als Vorsätze und
wie Yoga & Tanz uns dabei unterstützen
Bist du gut ins neue Jahr gestartet? Hast du dir neue Vorsätze ausgedacht? Statistisch gesehen werden die meisten Neujahrsvorsätze bereits nach etwa zwei Wochen wieder über Bord geworfen. Nicht, weil wir «zu wenig Disziplin“ hätten, sondern weil Vorsätze oft gegen unser Nervensystem arbeiten.
Somit ist der Jahresbeginn oft mit viel Druck verbunden. Neue Vorsätze, neue Ziele, neue To-do-Listen, Detox, Gewichtsverlust, «jetzt aber wirklich».
Und doch spüren viele von uns: Das Nervensystem sehnt sich nicht nach mehr Druck, sondern nach Sicherheit.
Sympathikus & Parasympathikus :: ein sensibles Zusammenspiel
Unser autonomes Nervensystem besteht aus zwei Hauptanteilen:
Dem Sympathikus: zuständig für Aktivierung, Leistung, Fokus, «Fight or Flight»
hilfreich bei Herausforderungen, Gefahr, Bewegung, Fokussierung.
und
Dem Parasympathikus
welcher zuständig ist für Ruhe, Regeneration, Verdauung, Heilung, «Rest & Digest» (Ruhe & Verdauung) und wird vom Vagusnerv, unserem wichtigsten Entspannungsnerv (dem 10. Hirn-Nerv) getragen.
Gesundheit entsteht nicht durch das Abschalten des Sympathikus, sondern durch die Fähigkeit flexibel zwischen Aktivierung und Entspannung zu wechseln.
Resilienz bedeutet:
«Ich kann aktiv sein und wieder sanft werden.» «Ich kann mich fordern und mich danach wieder regulieren.»
Der Vagusnerv :: Dein innerer Anker
Der Vagusnerv verbindet Gehirn, Herz, Lunge, Verdauung und Stimme. Er reagiert auf:
Atemrhythmus
Bewegung
Berührung
Stimme & Klang
soziale Verbindung
Wenn der Vagusnerv gut stimuliert wird, fühlen wir uns:
sicherer
verbundener
ruhiger
emotional stabiler
Wie Yoga unser Nervensystem reguliert
Yoga wirkt direkt auf den Parasympathikus:
langsame, fliessende Bewegungen
bewusste, verlängerte Ausatmung
Bodenkontakt und Halt
sanfte Mobilisation & Faszienarbeit
Yoga sagt dem Nervensystem:
«Du bist sicher. Du darfst loslassen.»
Gerade im Winter und zu Jahresbeginn ist das heilsam, wenn die Natur noch ruht und Kraft sammelt.
Wie Modern Dance unser Nervensystem stärkt
Modern Dance wirkt anders und ist genauso wichtig:
rhythmische, kreative Bewegung
Ausdruck von Emotionen
Flow-Zustände
soziale Resonanz in der Gruppe
Tanz hilft, Stressenergie abzubauen, ohne sie zu unterdrücken. Er reguliert den Sympathikus durch Bewegung und führt danach oft ganz natürlich in einen überaus zufriedenen Entspannungszustand.
Tanzen bedeutet:
«Ich bin lebendig. Ich bin im Moment. Ich darf genau so sein wie ich bin.»
Was wirklich wirkt :: Einfach, aber konsequent
Statt extremer Vorsätze braucht unser Nervensystem Verlässlichkeit.
1. Kehre zurück zu deinen Routinen
Nicht alles neu. Sondern das, was dir bereits Halt gibt.
2. Iss genügend Eiweiss
Für Muskeln, Nerven, Hormone, Stabilität. Gesunde, eiweissreiche Nahrung ist Nervensystempflege. (Siehe ganz unten für Rezept-Ideen)
3. Bleib in Bewegung, sanft & kraftvoll
Yoga, Tanz, Krafttraining mit dem Theraband oder Franklin-Band. Bewegung stärkt Knochen, kurbelt den Stoffwechsel an und wirkt regulierend auf unseren Hormonhaushalt. Und wirkt präventiv!
4. Sorge für ausreichend Schlaf
Schlaf ist kein Luxus. Er ist die wichtigste Regenerationsquelle für dein Nervensystem.
Gehe regelmässig zur selben Zeit am idealsten vor 10:00 ins Bett und stehe zwischen 06:00 und 07:00 auf. (Je nach Biorhythmus kann das auch deutlich später sein, sowohl die Zubettzeit, als auch die Aufstehzeit)
5. Verbringe Zeit mit Menschen die dir guttun
Co-Regulation ist essenziell. Unser Nervensystem heilt in Verbindung mit Menschen die uns wohl tun.
Routinen regulieren :: ganz leise und wirkungsvoll
Was wir regelmässig tun, unterstützt unser Nervensystem auf mehreren Ebenen:
Aktion & Regeneration wechseln sich ab
Der Sympathikus darf aktivieren
Der Parasympathikus darf wieder übernehmen
Routinen signalisieren unserem Wunderwerk Körper:
«Du weisst, was kommt. Du bist sicher.»
Das ist echte Resilienz. Es geht nicht um höher, schneller, weiter, sondern um verlässlich, stärkend, verbindend.
Gemeinschaft als Nervensystem-Anker
Ein oft unterschätzter Faktor für Regulation ist Zugehörigkeit.
Ich schätze die tanzmunter-Family von ganzem Herzen. Nebst meinen Freundinnen ist diese Community meine Wahl-Familie.
In diesem Raum entsteht weit mehr als Bewegung:
Er schenkt uns Halt & Sicherheit
Er ermöglicht uns Co-Regulation
Er nährt unsere Fürsorge & unser Wohlbefinden
Er bringt Gleichgesinnte zusammen
Gemeinsam zu tanzen, Yoga zu üben, zu flowen, zu wirbeln, zu lachen. Das beruhigt unser Nervensystem auf einer tiefen, ganzheitlichen Ebene.
Wir sind nicht dafür gemacht, alles allein zu regulieren. Gemeinschaft die uns wohl tut ist Medizin.
Sicherheit statt Selbstoptimierung
Das alles stärkt dich:
körperlich
hormonell
emotional
Deine Routinen, sowie Yogapraxis und Modern Dance fördern Glückshormone, Erdung und innere Stabilität. Nicht durch Verzicht wie bei gewissen Vorsätzen und Diäten, sondern durch (Selbst-)Zuwendung.
Vielleicht ist dieser Jahresbeginn keine Zeit des «Losgaloppierens» (Jahr des Pferdes im chinesischen Tierkreiszeichen). Sondern eine Einladung, eine wohltuende, stärkende Basis zu schaffen, um dann von dort aus in Klarheit und Weisheit ins Handeln zu kommen.
Last but not least:
Eiweissreiche Ernährung :: Nervensystempflege von innen
(inspiriert von der Glucose-Goddess-Philosophie)

Ein stabiler Blutzucker ist ein grosser Verbündeter unseres Nervensystems. Eiweissreiche, ausgewogene Mahlzeiten helfen Stressreaktionen abzufedern und unsere Energie konstant zu halten.
Beispiele für...
Frühstück
Naturjoghurt / Sojajoghurt oder Skyr mit Nüssen, Kernen & Beeren oder anderer Frucht (kein Honig, kein Ahornsirup)
oder 2 Eier (Omelett) mit Gemüse (& Feta), etwas Olivenöl
👉 zuerst Eiweiss & Fett, dann Kohlenhydrate
Imbiss
Handvoll Nüsse
Hüttenkäse oder veganes Sojajoghurt
Apfel mit Nussmus (ungesüsst!)
Mittagessen
viel Gemüse
Salatsauce mit Öl & Säure (Essig)
Linsen, Kichererbsen oder Fisch
etwas Reis oder Kartoffeln
Dessert (gleich unmittelbar nach dem Mittagessen, nicht zwischendurch wegen Pankreas/Blutzuckerspitze)
👉 immer zuerst Gemüse, dann Eiweiss & Fett, dann Kohlenhydrate
Abendessen
Ofengemüse mit Tofu, Tempeh oder Ei
Suppe mit Hülsenfrüchten
leicht, warm, nährend
Vielleicht probierst du mal ein paar Tage ein herzhaftes Frühstück, anstatt Süsses (Brütli / Brot mit Confi oder gesüsste Crunchy Müesli) aus und schaust, ob du weniger Heisshungerattacken oder Gluscht auf Süsses hast :-)? Schreibe oder erzähl mir dann gerne von deiner Erfahrung, ich bin gespannt :-)
Fazit: Sanft starten und verbunden bleiben
Vielleicht ist dieser Jahresbeginn kein Neustart im Aussen zum Posten und zeigen. Sondern ein Wieder-Ankommen im Inneren.
Mit Routinen, die tragen. Mit Bewegung, die stärkt. Mit Menschen, die zusammenhalten.
So entsteht Sicherheit. Und aus Sicherheit wächst Kraft.
So schön, dass du da bist!
Ich freue mich, dich in meinen Stunden und Angeboten zu sehen.
Herzlichst
Martina
tanzmunter :: soulful dance & yoga



Kommentare