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En dehors und Parallel im Modern Dance

Zwei Prinzipien, zwei unterschiedliche Körperorganisationen.


Im Modern Dance existieren zwei grundlegende Beinausrichtungen: En dehors (Turnout) und Parallel. Beide verändern nicht nur die Stellung der Beine, sondern die Organisation des gesamten Körpers:

von den Füssen bis zum unteren Rücken


Während En dehors eine spiralförmige Aussenrotation erzeugt, arbeitet Parallel eher mit neutraler Ausrichtung und Kraft entlang der Beinachsen / Körperachsen.



En dehors :: Rotation aus der Hüfte


En dehors bedeutet, dass sich die Beine aus dem Hüftgelenk nach aussen drehen. Idealerweise geschieht diese Rotation nicht aus den Knien oder Füssen, sondern aus den tiefen Hüftrotatoren.



Wichtige beteiligte Muskeln:


Musculus piriformis (birnenförmiger Muskel)


  • liegt tief unter dem grossen Gesässmuskel

  • verläuft vom Kreuzbein (Sacrum) zum Oberschenkelknochen

  • gehört zu den tiefen Aussenrotatoren der Hüfte


    Funktion:

    • Aussenrotation im Hüftgelenk

    • Stabilisierung des Hüftkopfs in der Gelenkpfanne

    • Unterstützung der Beckenstabilität


Wenn dieser Muskel aktiv ist, fühlt sich das Turnout oft stabil und „von innen gehalten“ an.



Tiefe Aussenrotatoren der Hüfte


Neben dem Piriformis arbeiten auch mehrere kleine Muskeln:


  • Musculus obturator internus

  • Musculus obturator externus

  • Musculus gemellus superior

  • Musculus gemellus inferior

  • Musculus quadratus femoris


Gemeinsam sorgen sie für die feine Kontrolle der Rotation.


Musculus gluteus maximus

Der grosse Gesässmuskel hat verschiedene Faseranteile.


Besonders wichtig fürs Turnout:

  • untere und hintere Fasern

  • unterstützen:

    • Aussenrotation

    • Hüftextension

    • Stabilisierung im Stand


Zu viel Spannung im Gluteus maximus kann das Turnout allerdings blockieren oder „pressen“, (dies kann zu Abnützung führen), weshalb die kleinen Rotatoren eigentlich die Hauptarbeit übernehmen sollten.


Wie fühlt sich das En dehors im Körper an?


Wenn das Turnout gesund organisiert ist, entsteht ein bestimmtes Körpergefühl.


In den Hüftgelenken

  • Gefühl von Raum und Öffnung

  • Rotation wirkt tief im Gelenk

  • die Beine fühlen sich spiralförmig nach aussen gedreht an (wie ein geschwungenes Windspiel)


Im unteren Rücken

  • der untere Rücken fühlt sich lang und getragen an (wie ein offener Fächer oder ein Pfauenrad)

  • keine Kompression

  • das Becken bleibt neutral oder leicht angehoben, im Lot (leichte Aktivierung vom M. transversus abdominis und Beckenboden, Bild: satte Jeans)



Wenn das Turnout erzwungen wird, passiert oft das Gegenteil:

  • Spannung im unteren Rücken

  • Druck im Kreuzbein

  • Knie drehen stärker als die Hüfte


Das ist ein Zeichen, dass die Rotation nicht aus der Hüfte kommt.



Parallel, die neutrale Kraftlinie


Parallel bedeutet, dass die Beine gerade nach vorne ausgerichtet sind. Diese Position ist typisch für viele Modern-Dance-Techniken und erzeugt eine direkte Verbindung zur Schwerkraft.


Im Gegensatz zu Turnout entsteht hier weniger Rotation und mehr axiale Stabilität.


Wichtige beteiligte Muskeln

Musculus gluteus medius

  • stabilisiert das Becken

  • verhindert das Absinken einer Beckenseite

  • besonders wichtig bei Gewichtsverlagerungen



Musculus gluteus minimus

  • unterstützt Stabilität im Hüftgelenk

  • arbeitet mit dem gluteus medius zusammen



Beinachse

Weitere wichtige Muskeln:

  • Quadrizeps (Kniestreckung)

  • Hamstrings (Rückseite der Beine)

  • Adduktoren (Innenlinie der Beine)


Gemeinsam stabilisieren sie die vertikale Kraftlinie von Hüfte über Knie bis zum Fuss.



Wie fühlt sich Parallel im Körper an?

Parallel erzeugt eine andere Wahrnehmung im Körper.


In den Hüftgelenken

  • Gefühl von Neutralität und Erdung

  • weniger spiralförmige Spannung

  • Beine wirken direkter unter dem Körper


Im unteren Rücken

  • der Rücken fühlt sich neutral und stabil an

  • Gewicht sinkt direkter in den Boden

  • weniger „Öffnung“, mehr Struktur



Viele Tänzer:innen beschreiben Parallel als:

  • erdend

  • direkt

  • kraftvoll



Der wichtigste Unterschied im Körpergefühl


Turnout (En dehors)

→ spiralförmige Energie

→ Öffnung in den Hüften

→ Rotation nach aussen


Parallel

→ direkte Kraftlinie

→ neutrale Ausrichtung

→ Verbindung zur Schwerkraft


Beide Positionen können gegensätzlich betrachtet werden, oder als zwei verschiedene Organisationsprinzipien des Körpers.


Modern Dance nutzt genau diesen Wechsel, um Dynamik, Ausdruck und Bewegungsvielfalt zu erzeugen.


So werden die Hüftgelenke - wie auch beim Yoga - ideal genutzt, mobilisiert und können Arthrose vorbeugen, sofern wir achtsam und im gesunden Rahmen das en dehors trainieren.


Quelle: Franklin Methode®️ Buch: Kraftvoller Auftritt

Foto: Copyright ©️ by Christian Glaus :: Anne-Sophie Fenner Compamy


 
 
 

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