
En dehors und Parallel im Modern Dance
- Martina Tanzmunter
- 23. März
- 3 Min. Lesezeit
Zwei Prinzipien, zwei unterschiedliche Körperorganisationen.
Im Modern Dance existieren zwei grundlegende Beinausrichtungen: En dehors (Turnout) und Parallel. Beide verändern nicht nur die Stellung der Beine, sondern die Organisation des gesamten Körpers:
von den Füssen bis zum unteren Rücken
Während En dehors eine spiralförmige Aussenrotation erzeugt, arbeitet Parallel eher mit neutraler Ausrichtung und Kraft entlang der Beinachsen / Körperachsen.
En dehors :: Rotation aus der Hüfte
En dehors bedeutet, dass sich die Beine aus dem Hüftgelenk nach aussen drehen. Idealerweise geschieht diese Rotation nicht aus den Knien oder Füssen, sondern aus den tiefen Hüftrotatoren.
Wichtige beteiligte Muskeln:
Musculus piriformis (birnenförmiger Muskel)
liegt tief unter dem grossen Gesässmuskel
verläuft vom Kreuzbein (Sacrum) zum Oberschenkelknochen
gehört zu den tiefen Aussenrotatoren der Hüfte
Funktion:
Aussenrotation im Hüftgelenk
Stabilisierung des Hüftkopfs in der Gelenkpfanne
Unterstützung der Beckenstabilität
Wenn dieser Muskel aktiv ist, fühlt sich das Turnout oft stabil und „von innen gehalten“ an.
Tiefe Aussenrotatoren der Hüfte
Neben dem Piriformis arbeiten auch mehrere kleine Muskeln:
Musculus obturator internus
Musculus obturator externus
Musculus gemellus superior
Musculus gemellus inferior
Musculus quadratus femoris
Gemeinsam sorgen sie für die feine Kontrolle der Rotation.
Musculus gluteus maximus
Der grosse Gesässmuskel hat verschiedene Faseranteile.
Besonders wichtig fürs Turnout:
untere und hintere Fasern
unterstützen:
Aussenrotation
Hüftextension
Stabilisierung im Stand
Zu viel Spannung im Gluteus maximus kann das Turnout allerdings blockieren oder „pressen“, (dies kann zu Abnützung führen), weshalb die kleinen Rotatoren eigentlich die Hauptarbeit übernehmen sollten.
Wie fühlt sich das En dehors im Körper an?
Wenn das Turnout gesund organisiert ist, entsteht ein bestimmtes Körpergefühl.
In den Hüftgelenken
Gefühl von Raum und Öffnung
Rotation wirkt tief im Gelenk
die Beine fühlen sich spiralförmig nach aussen gedreht an (wie ein geschwungenes Windspiel)
Im unteren Rücken
der untere Rücken fühlt sich lang und getragen an (wie ein offener Fächer oder ein Pfauenrad)
keine Kompression
das Becken bleibt neutral oder leicht angehoben, im Lot (leichte Aktivierung vom M. transversus abdominis und Beckenboden, Bild: satte Jeans)
Wenn das Turnout erzwungen wird, passiert oft das Gegenteil:
Spannung im unteren Rücken
Druck im Kreuzbein
Knie drehen stärker als die Hüfte
Das ist ein Zeichen, dass die Rotation nicht aus der Hüfte kommt.
Parallel, die neutrale Kraftlinie
Parallel bedeutet, dass die Beine gerade nach vorne ausgerichtet sind. Diese Position ist typisch für viele Modern-Dance-Techniken und erzeugt eine direkte Verbindung zur Schwerkraft.
Im Gegensatz zu Turnout entsteht hier weniger Rotation und mehr axiale Stabilität.
Wichtige beteiligte Muskeln
Musculus gluteus medius
stabilisiert das Becken
verhindert das Absinken einer Beckenseite
besonders wichtig bei Gewichtsverlagerungen
Musculus gluteus minimus
unterstützt Stabilität im Hüftgelenk
arbeitet mit dem gluteus medius zusammen
Beinachse
Weitere wichtige Muskeln:
Quadrizeps (Kniestreckung)
Hamstrings (Rückseite der Beine)
Adduktoren (Innenlinie der Beine)
Gemeinsam stabilisieren sie die vertikale Kraftlinie von Hüfte über Knie bis zum Fuss.
Wie fühlt sich Parallel im Körper an?
Parallel erzeugt eine andere Wahrnehmung im Körper.
In den Hüftgelenken
Gefühl von Neutralität und Erdung
weniger spiralförmige Spannung
Beine wirken direkter unter dem Körper
Im unteren Rücken
der Rücken fühlt sich neutral und stabil an
Gewicht sinkt direkter in den Boden
weniger „Öffnung“, mehr Struktur
Viele Tänzer:innen beschreiben Parallel als:
erdend
direkt
kraftvoll
Der wichtigste Unterschied im Körpergefühl
Turnout (En dehors)
→ spiralförmige Energie
→ Öffnung in den Hüften
→ Rotation nach aussen
Parallel
→ direkte Kraftlinie
→ neutrale Ausrichtung
→ Verbindung zur Schwerkraft
Beide Positionen können gegensätzlich betrachtet werden, oder als zwei verschiedene Organisationsprinzipien des Körpers.
Modern Dance nutzt genau diesen Wechsel, um Dynamik, Ausdruck und Bewegungsvielfalt zu erzeugen.
So werden die Hüftgelenke - wie auch beim Yoga - ideal genutzt, mobilisiert und können Arthrose vorbeugen, sofern wir achtsam und im gesunden Rahmen das en dehors trainieren.
Quelle: Franklin Methode®️ Buch: Kraftvoller Auftritt
Foto: Copyright ©️ by Christian Glaus :: Anne-Sophie Fenner Compamy



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